Das Projekt
Ausgangslage Seit 1982 deckten die Gemeinden Birmensdorf und Aesch ihren Bedarf an Wohn- und Pflegeheimplätzen im Rahmen einer Anschlussvereinbarung im Alters- und Pflegeheim Weihermatt in Urdorf ab. Aufgrund eines erhöhten Eigenbedarfs hat die Gemeinde Urdorf diesen Anschlussvertrag per Ende 2010 aufgekündigt. Entsprechend stellt sich für die Gemeinden Birmensdorf und Aesch die Aufgabe, bis zu diesem Zeitpunkt eine Ersatzlösung für die stationäre Pflege ihrer Betagten zu finden, welche ab dem Jahr 2011 tragfähig ist. Nach entsprechenden Bedürfnisabklärungen und Grundlagenstudien im Rahmen des Projektes „Wohnen im Alter Birmensdorf-Aesch“ (WiABA) im Zeitraum von 2003 bis 2005, beschlossen die Gemeinden Birmensdorf und Aesch, in der Kernzone von Birmensdorf den Neubau eines gemeinsamen Alterszentrums zu realisieren. Dieses wird ein Alters- und Pflegeheim mit 61 Plätzen, einen Stützpunkt für Spitex-Dienste und eine Beratungsstelle für Altersfragen beherbergen. Die beiden Gemeinden Birmensdorf und Aesch haben im Jahr 2007 eine privatrechtliche Genossenschaft gegründet, welcher als Trägerschaft die Verantwortung für die Realisierung des Bauvorhabens obliegt. Zwischen Ende Februar und Ende August 2008 führte die H. Limacher Partner AG im Auftrag und im Namen der Genossenschaft Alterszentrum am Bach einen einstufigen Projektwettbewerb nach selektivem Verfahren durch. Basis des Wettbewerbs bildeten die betrieblichen und baulichen Grundlagen, welche vorgängig im Rahmen der Gesamtplanung von der H. Limacher Partner AG in Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Genossenschaft Alterszentrum am Bach erarbeitet worden sind. Ziel des Wettbewerbs war die Auswahl eines geeigneten Planungsteams sowie einer optimalen architektonischen und betrieblichen Lösung für den Neubau des Alterszentrums. Als Sieger aus dem Projektwettbewerb hervorgegangen ist das Projekt mit dem Namen "Passeggiata", welches vom Architekturbüro Egli Rohr Partner AG aus Baden-Dättwil verfasst wurde. Das Projekt "Passeggiata" Situation Das neue Alterszentrum fügt sich in die Abfolge öffentlicher Gebäude zwischen Reppisch und Wüeribach ein. Zwei ineinander geschobene und versetzte Rechteckkörper mit eingesenkten Innenhöfen besetzen das Gelände aus der Mitte heraus. Durch die Disposition wird trotz der Grösse der Anlage der Massstab gewahrt. Es entstehen Aussenräume unterschiedlicher Qualitäten. Die neue Anlage tritt in überschaubaren, an der Umgebung massnehmenden Abschnitten in Erscheinung. Zum Wüeribach spannt sich als Auftakt ein Platz auf, der als einladende Geste den Haupteingang, die Vorfahrt, sowie den Eingang der ambulanten Bereiche miteinander verknüpft. Der befestigte Eingangsplatz, mit gruppierten Eichen ausgezeichnet, lädt mit Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. Das Einflechten weiterer Sitzmöglichkeiten rund um das Haus erlaubt willkommene Pausen auf den Spaziergängen der Bewohner / innen. Eine feine Abstufung vom Öffentlichen zum Privaten unterstützt je nach Wetter- und Gemütslage nachbarschaftliche Kontakte, ermöglicht aber auch den persönlichen Rückzug. Der Aussenbereich der geschützten Wohngruppe weist unterschiedliche Pflanzinseln mit Blütenstauden auf, der den Bewohner / innen die Möglichkeit eines Rundlaufs in dem von Hainbuchenhecken umsäumten Garten ermöglichen. Auf der gegenüberliegenden Seite unterstützt ein neu gestaltetes Wegesystem die Verbindung von Bach- und Dorfstrasse und unterstreicht mit Laufkundschaft und Alltagsbegegnungen die öffentliche Wirksamkeit des Gebäudes. Öffentliche Nutzungen – Erdgeschoss So wie im Äusseren der gedeckte Haupteingang Schnittpunkt zwischen Ankunftsplatz und Aussenraum der Cafeteria ist, so erschliessen sich im Inneren vom grosszügigen Eingangsbereich mit Empfang die öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss und die Wohngruppen in den Obergeschossen. Der ambulante Bereich, mit separatem Zugang vom Vorplatz, sowie die Büros einerseits, die Cafeteria mit Speisensaal sowie der Mehrzwecksaal andererseits, vitalisieren das Erdgeschoss durch halböffentliche Nutzungen. Freigestellt und gut erkennbar ist der Kern des Gebäudes, der dienende Funktionen aufnimmt und durch seine Materialisierung in Sichtbeton, auch in den darüber liegenden Geschossen, klar erkennbar ist. Direkt an den Mehrzwecksaal, die Cafeteria und den Speisesaal angebunden ist die Küche. Ihre Anlieferung erfolgt rückwärtig von der Dorfstrasse her. Herzstück ist der lichtdurchflutete, flexibel zonierbare Mehrzwecksaal. Mit der Möglichkeit zur räumlichen Aufweitung in den Restaurationsbereich lässt er vielfältige Bespielungen zu, sei es als offenes Zentrum für Ausstellungen und Aktivitäten oder sei es geschlossen für Konzerte, Lesungen oder Filmvorführungen. Bewohnerbereiche – Obergeschosse Die Obergeschosse gliedern sich in Bewohnerbereiche und Aufenthaltsräume mit Küche und angegliederter Terrasse. Analog zur Gebäudeform werden die Korridore durch zwei Innenhöfe belichtet, die mit grossen Fenstern und integrierter Sitzbank zum wandeln und verweilen einladen und gleichzeitig Sichtbezug zu den gegenüberliegenden Fassaden ermöglichen. Zugunsten freier Sichtbezüge und grösstmöglicher Bewegungsfreiheit wurden verdeckt montierten Brandschutztüren verwendet. Die Abfolge von Holzflächen, Betonstützen und Zimmertüren rhythmisiert den Umgang und zeichnet die Wohnbereiche und deren Eingänge aus. Untergeschoss Das Untergeschoss nimmt die hauseigene Lingerie, Technikräume, Kellerabteile sowie die über eine bestehende Rampe erschlossene Tiefgarage auf. Gesondert mit einem Aufzug erschlossen sind die Kühl- und Lagerräume der Küche. Um den Arbeitsplätzen der Lingerie natürliche Belichtung und den Bezug nach Aussen zu ermöglichen, wurde die Näherei um ein hochliegendes Fenster ergänzt. Innenhöfe Es sind zwei unterschiedlich nutzbare Höfe geplant. Der eine, von den Bewohnern schwellenlos begehbar, schafft mit Nutz- und Duftpflanzen in grossen Blumengefässen und der Aussenmöblierung eine Aufenthaltsqualität, die Schutzbedürfnis und Naturerleben gleichzeitig erfüllt. Der andere wird als ruhiger Garten mit verschiedenfarbiger Niedrigbepflanzung, die sich mit Tuffsteinen abwechselt, konzipiert und dient der Betrachtung aus den umgebenden Bewegungszonen. Beide Höfe verfügen über Oberlichter, welche die darunter liegenden Räume belichten und somit vor allem dem Mehrzwecksaal hohe Aufenthaltsqualität zukommen lassen. Die Bepflanzungen werden automatisch bewässert, sodass sich der Unterhalt in Grenzen halten wird. Fassade Die Gliederung der Fassade korrespondiert mit der Nutzungsteilung in Erdgeschoss als teilöffentlichem Bereich und den beiden Wohngeschossen. Die horizontale Gliederung wird durch umlaufende Profile, die gleichzeitig den liegenden Fensterformaten der Obergeschosse Halt geben, ergänzt. Eine weitere Gliederung wird durch das Fugenbild der Putzfassade erzielt, welches im Erdgeschoss die stehenden Öffnungsformate unterstützt und im zweiten Obergeschoss die Fensteroberkante aufnimmt und so eine optische Verjüngung der Geschosshöhen schafft, die eine kontextuell gerechte Setzung des Gebäudes fördert. Diese Möglichkeit entsteht durch die Verwendung von gefügten, hinterlüfteten Fassadentafeln. Ein Steinsockel schafft schliesslich die Verbindung von öffentlichem Platz und Aussenraumgestaltung und übernimmt gleichzeitig Schutzfunktionen vor mechanischer Beanspruchung und Witterung.
AZAB_visualisieung_und_plaene.pdf (3033.5 kB)
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